Mein aquaristischer Werdegang begann in meiner frühen Schulzeit. Ich muss die erste oder zweite Klasse besucht haben, als einer meiner Schulkameraden mit einigen Guppys in die Schule kam. Mein Interesse war sogleich geweckt und ich habe ihm einige davon abgenommen. Diese wurden in einem Joghurtbecher sicher nach Hause gebracht.
Relativ schnell fand ich die Guppys aber langweilig, zeigten sie zwar schöne Farben, doch - ausser dem männlichen, nervösen Paarungstrieb und ihrem scheinbar unersättlichem Hunger - kaum ein interessantes Verhalten. Zumindest mir schien das so. Also beschaffte ich mit meinem zusammengesparten Sackgeld ein gebrauchtes, grösseres Becken und widmete mein Interesse einigen Salmlern. Auch auf diesem Gebiet konnte ich aber kaum nennenswerte Beobachtungen machen. Zwar laichten mir bspw. die Trauermantelsalmler regelmässig, doch wurden die Eier innert wenigen Augenblicken gleich wieder verschlungen. Nichts für mich...
Mit den Salmlern hielt ich dazumals auch einige Panzerwelse, welche ebenfalls regelmässig laichten, doch wie bei den Salmlern wurde auch hier der Laich schnell von gierigen und hungrigen Mäulern verspiesen.
So wechselte ich das Becken wie auch die Salmler aus und beschaffte mir ein grösseres Aquarium und Skalare. Die sollen ja ein interessantes Brutpflegeverhalten an den Tag legen! Tatsächlich konnte ich diese auch bei der Eiablage und der Brutfürsorge beobachten, doch nach einiger Zeit wurden dann die Larven von den Elterntieren gefressen.
Nach Stationen wie Barben, Bärblingen, Fadenfischen, Schmerlen und anderem gab ich meine Suche nach "etwas wirklich Interessantem" auf, bis auf den Tag als ich mich mit einem Schulkollegen bei ihm Zuhause verabredete. Sein Vater war Präsident des hiesigen Aquarienvereines und unterhielt ein schönes und grosses Wohnzimmerbecken. Durch seinen älteren Sohn, welcher aus beruflichen Gründen viel umherreiste und seinem Vater immer wieder Raritäten und Sonderheiten aus weitentfernten Länder mit nach Hause brachte, war ich natürlich neugierig, was es diesmal interessantes im Becken zu beobachten geben wird. Ausser einigen blassen und leeren Schneckenhäusern der einheimischen Weinbergschnecke konnte ich nichts Neues entdecken und wunderte mich ob der aquaristischen Verunstaltung durch leere Schneckenhäuser im Becken. Bis ich winzig kleine Brut entdeckte, welche blitzschnell aus den leeren Schneckenhäusern hervorschoss um irgendwelche Nahrungspartikel aufzunehmen um gleich danach wieder in und unter den Schneckenhäusern zu verschwinden. Erst jetzt realisierte ich, dass bei den leeren, blassen Schneckenhäusern zwei, mir bis dahin unbekannte, interessant und hübsch braungebänderte, kleine Fische mit leuchtend blauen Augen standen und alle Fische, welche zu nahe an die Schneckenhäuser kamen, energisch vertrieben. Dabei spreizten sie sämtlich Flossen weit ab und schreckten auch vor grösseren Fischen nicht zurück!
Was war das?
Bei den kleinen 4 bis 5 cm langen Fischen handelte es sich um einen Schneckenbuntbarsch, wie ich erfahren durfte. Ich liess mir sagen, dass diese Fische leere Schneckenhäuser als Unterschlupf, Brutstätte und Reviere brauchen. Mehr war zu diesem Zeitpunkt leider nicht zu erfahren. Ich hackte natürlich nach und wollte wissen wo es solche Fische zu erwerben gibt. Als Antwort erhielt ich, dass es an meinem Wohnort eine Familie gebe, welche solche Fische pflege. Ich solle doch mit Ihnen Kontakt aufnehmen. Noch in der selben Woche kontaktierte ich diese Familie und durfte auch gleich vorbei gehen und Ihre Fische bewundern. Was mich dort allerdings erwartete liess alles bis dahingesehene in Vergessenheit geraten. Es würde für mich eine folgenschwere und wegweisende Begegnung werden!
Cichliden
Ich war beim Betreten der Wohnung überwältigt. Hatte ich doch bis anhin noch nie so etwas gesehen. In der ganzen Wohnung waren Aquarien in den verschiedensten Grössen aufgestellt! Bevölkert wurden diese Becken durch Fische, welche ich noch nie gesehen hatte. Ich liess mir erklären, dass es sich bei den gepflegten Fischen um Cichliden aus dem Malawi- und aus dem Tanganjikasee handelte.
Nach langem Staunen und vielen, vielen Informationen über die beiden Seen und deren Bewohnern verliess ich die Wohnung mit dem festen Willen, meinen Bestand an diversen Fischen so rasch als möglich abzugeben und mich den Buntbarschen zu widmen.
So begann eine neue Ära in meiner aquaristischen Kariere. Ich pflegte erst einige Cichliden aus dem Malawisee. Zudem in einem 60 Liter Aquarium meine ersten Fische aus dem Tanganjikasee. Den Schneckenbuntbarsch "Neolamprologus multifasciatus".
Nach einigen Jahren erfolgreicher Pflege und einem bevorstehenden Umzug, gab ich meine Fische aus dem Malawisee ab. Pflegte ich diese doch schon seit geraumer Zeit. Zudem wollte ich mich aufgrund des interessanteren Verhaltens und der vielseitigeren Brutpflege ganz und gar auf Fische aus dem Tanganjikasee konzentrieren. Zu dieser Zeit erlebten Fische aus dem Malawisee einen richtigen Boom und überall wurde gezüchtet was das Zeug hielt. Der "Markt" wurde richtiggehend mit Nachzuchten aus Privathaushalten überschwemmt. Die ersten Hybriden tauchten auf und das ganze empfand ich als zu kommerziell. Die Zeit für meinen Absprung schien gekommen.
So spezialisierte ich mich auf Buntbarsche aus dem Tanganjikasee. Zur Zeit halte ich über 50 Arten und meine Sammelleidenschaft ist noch lange nicht gestillt!